Samstag, 8. November 2014

Vom Trinken...

Hier ein kleiner Text der auf meinem letzten ASF-Seminar an dem ich als Freiwillige teilgenommen habe, entstanden ist und den ich euch nicht vorenthalten wollte.

„Die Ukrainer trinken doch total viel!“
„Das ist ein dämliches Vorurteil“ habe ich dann immer gesagt. Schließlich glauben wir doch auch nicht wirklich, dass alle Niederländer einen Wohnwagen haben, Franzosen den ganzen Tag Baguette essen und Leute aus Düsseldorf blöd sind…
Ein Jahr später kann ich sagen: „Die Ukrainer trinken DOCH total viel!“.
Aber sie haben sehr strenge Regeln für das Trinken von Wodka oder Horilka, wie er dort heißt (das kommt vom Wort für brennen und ich habe sehr schnell verstanden wieso).
Hier also ein kurzer Guide zum Trinken in der Ukraine.
Zuerst sei gesagt, viel trinken ist gut aber betrunken sein ist eine Schande.
Als erstes muss man also den richtigen Horilka auswählen. Wenn er noch nicht stark genug horit‘ greife man zur Honig-Chili Version oder zu Selbstgebranntem.
Ist die Wahl nun getroffen, darf aber immer noch nicht getrunken werden. Vorher muss noch das passende Essen ausgewählt werden! Salo (Speck), Brot, Schmand oder Gewürzgurken sind immer eine gute Wahl. Gerne auch in der verdrehten Tequila Variante: Horilka kippen, and der Gewürzgurke riechen, reinbeissen.
Sehr wichtig ist es auch noch zu sagen, dass man immer einen Anlass zum Trinken haben muss, denn sonst wäre es ja Alkoholismus und schließlich befinden wir uns ja nicht in Russland!
Anlässe gibt es viele und sie sind auch nicht an eine bestimmte Uhrzeit gebunden. Ein Gläschen um 10 Uhr morgens ist überhaupt kein Problem, immerhin ist das hier ein sehr wichtiger Anlass.
Wenn man nun aber nach dem ersten Glas noch weitermachen will, helfen einem die Grundregeln der Toastsprüche, die auch gerne mal 5 Minuten dauern dürfen. Trainierte Armmuskeln sind also von Vorteil.
Nachdem der erste auf den Anlass getrunken wurde, folgt der Zweite, druhiy za druziv, auf die Freunde. Budmo!(So sei es!)
Da man ja aber nicht mit einer geraden Zahl aufhören kann, folgt der dritte auf die Frauen und auf die Liebe. Laut ukrainischen Männern sowieso ein und das gleiche und weil die ukrainischen Männer die Frauen lieben, müssen sie an dieser Stelle aufstehen. Die Stelle an der ich immer fragen will, ob ich nach dieser Logik auch aufstehen müsste, mich dann erinnere, dass ich in der Ukraine bin und kneife. Wieso verdammt muss das auch schon der 3. sein? Nach dem 5. würde ich mich das bestimmt trauen! Budmo!
Wenn jetzt schon auf die Frauen getrunken wurde, dann muss natürlich der nächste auf die Männer getrunken werden. Budmo!
Der 5. wird in manchen jüdischen Gemeinden auf Israel getrunken oder auf die israelischen Soldaten oder auf die israelischen und ukrainischen Soldaten. Budmo!
Die erste Flasche leert sich und kommt SOFORT unter den Tisch, in der Hoffnung  „es werden nur die leeren Flaschen auf dem Tisch berechnet!“
Nach dem fünften ist es dann auch egal ob die Zahl gerade oder ungerade ist, zählen kann hier eh keiner mehr.

Der letzte ist dann auf die Pferde, die einen nach Hause bringen, Auto fahren ist jetzt auch nicht mehr drin.
Auf die Pferde! Budmo! 

Ende?

Liebe Leser,
gegen Ende des Jahres habe ich diesen Blog kaum noch genutzt. Das hatte verschiedene Gründe. Vor allem jedoch, wusste ich einfach nicht was ich schreiben sollte und ich wusste nicht wie. Ich wollte hier gerne witzige, positive Anekdoten aus dem Leben in der Ukraine schreiben.
Leider habe ich jedoch nicht nur positives erlebt. Davon wollte ich oft nicht schreiben.
Natürlich war nicht alles negativ! Ich hatte viele tolle Tage und viel Besuch (darüber könnt ihr auch hier etwas lesen)und habe sehr viel arbeiten können. Ich habe die letzten Tage mit meiner Museumsfamilie genossen und noch sehr viel ukrainisches Essen gekocht und gegessen.
Ich bin sehr froh, dieses Jahr in der Ukraine verbracht zu haben und werde noch oft daran denken.
Ich bin den Menschen, die mir diese unglaubliche Zeit ermöglicht haben sehr dankbar.
Auch nach dem Ende dieses Jahres habe ich das Gefühl eine Verbindung zu diesem Land zu haben, schließlich war es eine besondere Zeit und ich werde es sicher noch oft besuchen und vielleicht noch einmal länger dort leben. Jetzt allerdings studiere ich erstmal.
Sollte jemand noch irgendwelche Fragen haben, über Czernowitz, über ASF oder was ich jetzt mache, könnt ihr mir immer gerne schreiben.